Heinz Zander: Puppenspiel mit Moralitäten.

Die Bildwelt Heinz Zanders (*1939) ist umgeben von der Aura des Poetischen, die viel erzählt, doch mehr verschweigt. Sein gesamtes künstlerisches Schaffen, welches sechs Jahrzehnte überspannt, ist durchzogen von zahlreichen Motiven aus abendländischen Märchen und antiken Sagen, aber auch der Weltliteratur der jüngeren Jahrhunderte. Die gleichnishaften Kompositionen spiegeln seine eigene Lese-Arten, die das ursprüngliche Wesen des Textes, hinter einem oft zugespitzten Charakter verbergen. Der Leipziger Künstler verdichtet dabei die literarischen Stoffe zu labyrinthischen Zeichen, wodurch Raum für eigenständiges Erkunden geöffnet wird. Zanders Themen sind wahrhaft vielfältig. Vom geschichtlich-schicksalshafte Niedergang („Untergang des Hauses Usher“, Edgar Allen Poe, 1839) über die doppelschneidige Eigendynamik des Erotischen („Moll Flanders“, Daniel Defoe, 1722) hin zu nachdenklichen Tönen („Der Erwählte“, Thomas Mann, 1951), meist dialektisch gewürzt mit deftig-derben Humor („Seeräuberballade“, Bertolt Brecht, 1920er). Diese vielseitige, intensive Auseinandersetzung ergoss sich in ein eigenes ergiebiges literarisches Schaffen. Oft begegnet dem Leser und Betrachter eine Ironisierung der Ironie. Heinz Zanders Romane „Stille Landfahrten“ (1981) oder „Das sanfte Labyrinth“ (1984) gründen sich auf der Phantasie eines Insulaners der sich einer urtümlichen Ander-Welt zuwendet, die für aufmerksame Besucher so manches Wunder bereithält.

Eine Ausstellung des Vereins der Bibliophilen und Graphikfreunde Magdeburg und Sachsen-Anhalt e.V. „Willibald Pirckheimer“.