Erinnerungen an Birgit Herkula 15.02.1960 – 07.02.2020

Erinnerungen an Birgit Herkula 15.02.1960 –  07.02.2020

Birgit Herkula 2017 in der Erich Kästner Schule Magdeburg

Wir denken an Dich und danken Dir für schöne Momente und Leseerlebnisse!

Liebe Birgit,
Du hast uns immer wieder mit Deinen Ideen und Aktivitäten überrascht – rast- und ruhelos, wie Du warst! Am Beginn waren wir noch sehr jung – es war 1990. Viele wurden aus der Bahn geworfen – Du sahest es als Chance und Neubeginn.
Schon bei Deinem ersten Projekt, die Erforschung der Literaturpreise, brachtest Du Dich voller Elan ein – lerntest Reiner Kunze persönlich kennen, sammeltest alles was es zu bedeutenden Literaturpreisträgern, die mit Sachsen-Anhalt in Verbindung standen, gab. Das war der Beginn unserer Freundschaft und Zusammenarbeit!
1994 hast Du die Schreibwerkstatt für Frauen gegründet – es gibt sie heute noch als Schreibatelier Wortschätze und als LiteraThiem. Einige Deiner Weggefährtinnen aus der damaligen Zeit sind noch heute dabei.
Aber Dein ganz besonderes Engagement galt den Kindern, nicht nur Deinen Kindern, Jonas und Fiene, mit denen Du tapfer Deinen Weg gingest und die sich einfach prima entwickelten, sondern auch den vielen leselustigen und lesehungrigen Kindern, die Dich dann bald in Deinem Schreiben begleiteten – dokumentiert in zahlreichen Projekten des Friedrich- Bödecker-Kreises.
Den Sally-Bleistift-Preis hast Du für Dein erstes Kinderbuch „Manchmal weiß ich was vom Tag“ erhalten, gewidmet Jonas, Deinem Erstgeborenen und Du hast Dich stets engagiert, wie Auguste Lazar, die Erfinderin der Sally Bleistift, und dem Preis alle Ehre gemacht:
Da war Dein Schulprojekt, das Du gleich aus der Taufe gehoben hast, als man 2007 die Bücher der Anne Frank auf einer Sonnwendfeier verbrannte. Du hast daran geglaubt, dass es auch andersdenkende Kinder und Jugendliche gab. Und jene, denen das Fatale an diesem Fanal unbekannt war, Hast Du mitgenommen auf eine Reise in die Vergangenheit – zu den Autor*innen, die im Nationalsozialismus Deutschland verlassen mussten und zu denen, deren Bücher verbrannt wurden.
Dass Du es geschafft hast, die engagierte Schauspielerin Iris Berben in die kleine Stadt Schönebeck zu den Schüler*innen der Maxim-Gorki-Schule einzuladen, ist eine unbeschreibliche Heldinnentat und was habe ich mich als Schönebecker-Kind gefreut, dass diesen Schülern die Ehre zuteil wurde, für dieses Projekt der Zivilcourage vom ​Bundespräsidenten empfangen zu werden.
Zusammen mit Simone Trieder ist Dir davon ausgehend eine bemerkenswerte Publikation gelungen – „Verboten, verschwiegen, verschwunden – Schriftstellerinnen und Schriftsteller im Gebiet des heutigen Sachsen-Anhalt zur NS-Zeit“ – eine Publikation, die für uns immer wieder eine wahre „Fundgrube“ zur Würdigung der Literaten Sachsen-Anhalts ist.
…und „Ohne Umzug in ein neues Land“ hat uns 10 Jahre nach der Wende nochmals die Augen für den Blick der Kinder auf diese Zeit geöffnet.
Dein Ausflug nach Olang 2013/2014 als Gemeinde- bzw. Dorfschreiberin war dann wieder mal eine Superidee von Dir. Voller Elan und Tatendrang hast Du das dörfliche Leben in Südtirol und seine Geschichte erkundet – die Herausforderungen steiler Dorfverbindungsstraßen, die geraden und ungeraden Pilz-Sammeltage – und schlussendlich sogar die Olanger-Gemeinde nach Magdeburg geholt. Davon wird aber noch an anderer Stelle berichtet werden.
Denn nun möchte ich mich bei Dir an dieser Stelle für das wunderschönes Erlebnis bedanken, das Du mir mit dem Buch und Hörstück „Der kleine Kuckuck Frederik wird wieder gesund“ bereitet hast: Welch tiefes Vertrauen zum Guten steckt in der Geschichte, als der kleine Kuckucksjunge Frederik im Nest der Familie Rotschwanz aus dem Ei schlüpft und Vater und Mutter Rotschwanz auch dieses kleine fremde Junge unter ihre Fittiche nehmen.
Ich denke, das hat den Kindern der Erich-Kästner-Schule sehr gefallen, die dann eifrig mit Dir und Wolf Stein flatterten und tschilpten, die Geschichte nacherzählten und sich freuten, als die Rettung gelang. Das war wirklich ein schönes Erlebnis zur Vorweihnachtszeit und die Lehrer*innen haben ihre Kinder dabei auch liebevoll begleitet und daran möchte ich heute erinnern:

Aufregung im Vogelnest
Als der kleine Kuckuck Frederik sich aus dem Ei gepellt hatte musste er erstaunt feststellen, dass er im Nest der Familie Rotschwanz gelandet war – doch kein Problem: gern nahm ihn die Familie Rotschwanz auf. Als allerdings die ersten Flugübungen begannen, stürzte Frederik ab und nur der Umsicht aller Waldbewohner war es zu verdanken, dass der Rettungsdienst der fleißigen Bienen bald eintraf…
So geht die Geschichte der Magdeburger Autorin Birgit Herkula, die im Auftrag von Hans-Jürgen Schwarz (Ambulanz-Mobile Schönebeck), mit Illustrationen von Alexander Blamberg als Buch veröffentlicht wurde.​

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